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2009

I'm taking a ride – auf pad ins Sossusvlei

Auch wenn wir wirklich schöne Stunden und Tage in Namibias Hauptstadt verlebt hatten, freuten wir uns doch, endlich ins “ richtige” Namibia aufzubrechen. Endlich wieder Einsamkeit, Weite, Tiere, Schotterpiste und Millionen Erlebnisse. Für Tom war es ja das erste mal Namibia außerhalb Windhoeks, das erste mal die ewig langen und geraden Straßen, die für das Fahren in Namibia so charakteristisch sind. Für mich war es ein gehöriger Teil dessen, worauf ich mich gefreut hatte.

Und so ließen wir es uns auch nicht nehmen, auf den einsamen Wegen regelmäßige Genießerpausen einzulegen. Das bedeutete: Motor aus, auf’s Auto oder wenigstens auf eins der Räder des Autos stellen, in alle Himmelsrichtungen kommen und die Gewissheit genießen, dass man nicht nur niemanden sieht, sondern, dass da schlicht niemand ist.

Später wurde die C24 (von Rehoboth nach Solitaire) immer kurviger und enger, verlief durch Pässe, Serpentinen und immer wieder durch ziemlich heftige Kurven. Aber auch das hat richtig Spaß gemacht und unser Schorsch (den Spitznamen hatte sich unser Hilux-Camper mittlerweile mehr als verdient) konnte hier ein wenig mit seinen Vierradantrieb trumpfen. Auch ein Luxus, den wir uns später immer weniger gegönnt haben – später lief das Auto fast ausschließlich mit zwei angetriebenen Rädern.

Dann waren wir auch schon bald in der Namib und konnten dieses von mir zwar schon zwei mal besuchte doch immer wieder einfach nur überwältigende und unbeschreiblich schöne Stückchen Erde genießen. Erst tauchen fern am Horizont die ersten rotfarbenen Sandberge auf, die dann als Dünen immer dichter an die Straße reichen, um dann den Besucher völlig zu umschließen.
Die “dune 45” ließen wir für heute erst einmal links liegen. Wir wollten den rest des Tages für Sossusvei und Dead Vlei nutzen und am morgigen Vormittag noch einmal in den Park zurückkommen, und hier genügend Zeit haben. Wie wunderschön die Dünen der Namib sind, wie märchenhaft sich die Wolkenschatten besonders in der Abendsonne auf den roten / orangen / goldenen / silbernen / weißen Dünen – dies annähernd zu beschreiben ist fast nicht möglich. Schaut Euch die Fotos an und achtet auf die vielen Farbschattierungen. Alle diese Farben sind tatsächlich vorhanden und wechseln sogar von Moment zu Moment, je nach Licht und Sonneneinstralung, je nach Tageszeit und Wetter. Die Farben sind echt, nicht Produkt meines Grafikprogramms; wer's nicht glaubt, schaue sich die vielen Fotos anderer Fotografen an. Wie gesagt – einfach wunderschön!

Aber da war ja noch was; die erste 4x4-Herausforderung des Urlaubs: der Weg ins Sossusvlei endet für Zweiradfahrzeuge nämlich 4-5 Kilometer vor dem Ziel. Den Rest der Strecke geht's durch Tiefsand und dieser Weg ist Allradfahrzeugen vorbehalten. So ganz ohne zu fahren war die Strecke auch für Offroder nicht, tiefer, weicher, heißer Sand und total fehlende Allraderfahrungen machten die Sache zu einem kleinen Wagnis. Aber wir hatten ja keinen Offroder gebucht, um jetzt zu kneifen! Also Vierrad und Untersetzung rein, Naben gesperrt und Augen zu und durch! ähhh... nix durch... rin und fest!
Aber nur so glücklicherweise nur so lange, bis man die innerliche Hemmung überwunden hatte und auch in der Situation vor dem Steckenbleiben Gas gab, antatt es wegzunehmen, wie man es von seinem “normalen” Auto gewohnt war. Der Motor brüllte und heulte zwar ein bisschen, über 3500 ging er dabei aber nicht. Alle easy! Und eine perfekte Feuertaufe und eine Steigerung des Vertrauens in die eigenen Vierradfähigkeiten.

Der Weg ins Dead Vlei und die Aussicht im Sossusvlei waren eine wunderbare Belohnung und schon bald war die Sonne hinter dem Horizont verschwunden. Vielleicht so viel zur Erklärung – die Regel ist die: wer nicht auf dem Parkzeltplatz nächtigt, muss den Park zum Sonnenuntergang verlassen haben (ca. 50 km vom Sossusvlei) und wer auf dem Zeltplatz nächtigt muss diesen eine Stunde nach Sonnenuntergang erreicht haben. Sonst ist die Tür schlicht zu! Der Zeltplatz liegt direkt am Tor und so blieben ca. 60 Minuten für den Weg zurück durch dne Tiefsand und die verbleibenden Kilometer. So erreichten wir den Hof mit Müh und Not oder besser den Zeltplatz auf den ALLERLETZTEN Drücker und waren froh, unsere erste Nacht im Camper und unser erstes ZeltplatzBBQ angehen zu können.

Also Dachzelte aufbauen (gar nicht mal so einfach beim ersten Mal!), Feuerchen, Fleisch drauf, gutes Windhoek Lager aus der Kühlbox und gute Nacht! Ein perfekter erster Tag und ein ideales Ankommen in Namibias Weite.

Gedanken zum Tag
Ganz schön viel Gegend hier!

Was ham wer heute gelernt
Nur weil der Motor heult, ist ein Schorsch noch lange nicht am Limit!

Toms famous last words
Ich mag große Geländewagen. Meiner Meinung nach sind sie aber leider, gerade im Hinblick auf unsere Umwelt, auf den europäischen Straßen so sinnvoll wie Instantkaffee, Fotohandys, Nichtraucherkneipen oder daily soaps, nämlich überhaupt nicht.
Hier war es aber etwas anderes. Für unseren Trip brauchten wir was großes und vor allem geländegängiges. Dieser Tag war mein erster Tag auf dem Fahrersitz unseres Schorsch. Erstmal aus Windhoek raus, beim Abbiegen immer schön darauf achten auf welche Straßenseite man sich wiederfinden sollte (Blinker- und Wischerhebel sind übrigens auch seitenverkehrt, was beim Abbiegen häufiger dazu führte, dass wir unfreiwillig die Scheiben wischten).
Überland auf den Teerstraßen ging es dann. Man merkte aber ständig, dass man eine riesige „Schrankwand“ durch den Wind bewegte. Dann ging es ab auf die Schotterpisten. Erst langsam und vorsichtig mit 50 – 60 km/h, dann mit 80 – 90 km/h und letztendlich mit 120! Macht Spaß! Was mir von diesem Tag noch länger in Erinnerung bleiben wird ist (neben so vielen anderen), dass wir unsere Geländefahrjungfräulichkeiten verloren haben. Wir haben und vielleicht angestellt. Rückblickend vielleicht sogar lächerlich, jeder hat aber irgendwann klein angefangen!

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