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2009

eine Chaingang und ein abendlicher Besucher - Katima Mulilo

Zwar stand für heute nur die kleine Etappe von Divundu nach Katima Mulilo auf dem Plan, doch durften wir nicht zu sehr trödeln, da in Katima noch einige Erledigungen auf uns warteten.

Erstens mussten wir noch einiges an Campingutensilien besorgen, an die wir in Windhoek noch nicht gedacht hatte. So z.B. einen Ersatzbenzinkanister, einen neuen Aufsatz für den Campingkocher (bei dem zum Fahrzeug gehörenden schlug das Feuer durch den Aufsatz gen Gasflasche durch), einen Reifendruckprüfer und v.a. Lebensmittel.
Und zweitens hatte uns der Vermieter unseres Fahrzeugs davor gewarnt, dass am Grenzübergang Ngoma Bridge gern noch eine police clearance für Mietwagen gefordert würde, die eigentlich per Gesetz gar nicht mehr notwendig sei, im Zweifel auf der Polizeistation in Katima aber „innerhalb von 10 Minuten“ zu besorgen wäre.

Na ja, nach unserem Unfall im Etosha war mein Bedarf namibische Polizeistationen angehend zwar reichlich gedeckt, aber was sein muss, muss halt sein...

Die Station in Katima Mulilo war wesentlich größer und unorganisierter als in Tsumeb. Hier warteten an die 50 Leute und ab und zu kümmerte sich ein Beamter um irgend einen der wartenden. Ein System war nicht zu erkennen. Als dann noch eine Chaingang, also eine Reihe mit Handschellen aneinander gebundener Gefangener durch die wartenden geschleust wurde, beschlossen wir, es darauf ankommen zu lassen und die Station fluchtartig zu verlassen.

Auf den Schreck fuhren wir erst einmal in die Touristeninformation mit angeschlossenem Curio Shop und Cafe auf ein Käffchen und fragten dort gleich mal nach einem netten Zeltplatz in der Gegend. Empfohlen wurde uns die „Namwi Island Lodge“ empfohlen. Einen kurzen Anruf später hatten wir eine Buchung für heut abend und konnten noch ein paar Stunden gemütlich in dem wirklisch schönen Ort zubringen.
Besonders erwähnenswert ist hier der von der Nacobta bewirtschaftete Crafts Market im Ortszentrum, in dem einheimische Kunsthandwerker ihre Erzeugnisse auf Provisionsbasis verkaufen. Für den Touristen bedeutet dies faire Preise, bei denen das Geld quasi direkt bei den Erzeugern der Waren landet.

Der Campingplatz stellte sich als sehr großzügige und gepflegte Anlage dar, auf der wir fast direkt am Sambesiufer zelten konnten.

Am stillen Seeufer lag ein kleines Boot...hinter dem plötzlich der Kopf eines jungen Flusspferdes auftauchte!!!

Bevor ich aber noch Zeit gehabt hätte, mich zu erschrecken, kam die Betreiberin des Camps herbeigeeilt und klärte die Situation auf: Männliche Nilpferde müssen, sobald sie abgestillt sind, die Herde sofort verlassen und abseits der anderen Tiere aufwachsen. Die erwachsenen Männchen würden ihre zukünftigen Rivalen sonst kurzerhand töten.
Normalerweise flüchten sich diese Jungen dann gern auf eine Schilfinsel im Fluss, um dort zu leben. Wegen des starken Hochwassers dieses Jahres war die Insel aber unter dem Wasserspiegel des Sambesi versunken und das Hippojunge hatte das Ufer des Zeltplatzes als Domizil gewählt.

Gerade als unser Fleisch am abendlichen Feuer begann, Farbe anzunehmen, kletterte das Flusspferd(chen) sogar aus dem Wasser und begann, am Ufer zu grasen. Von den umstehenden und staunenden Campinggästen, die es filmten und fotografierten (sogar mit Blitz), schien es keinerlei Notiz zu nehmen. Es näherte sich mir sogar bis auf 2 oder 3 Meter.

Noch nie habe ich ein Nilpferd so dicht gesehen und ich bezweifle, dass übermäßig vielen Menschen dieses Glück vergönnt sein dürfte. Ein unglaubliches Erlebnis - wenn Engel reisen.

Doch auch ohne das Hippo wäre der Abend unvergesslich geworden. Die Bäume auf der gegenüberliegenden Flussseite wurden vom Zeltplatz aus angestrahlt und spiegelten sich golden im afrikanischen Old Man River. Dazu das Zirpen der Zikaden, die über uns flatternden Fledermäuse und sehr nettte Zeltplatznachbarn, die uns reichlich mit Tipps für unseren Botsuanatrip eindeckten machten diesen Abend ganz besonders.

Worte des Tages
Always keep the momentum (unsere südafrikanischen Zeltplatznachbarn zum Offroadfahren im Tiefsand)

Was ham wer heute gelernt?
...dass die besonderne Momente eben doch nicht planbar sind

Toms famous last words
Mir hat ein wenig das Herz geblutet, als wir das Ngepi-Camp verlassen mussten. Das ist so eine Art „Happy Place“, wenn ich Adam Sandler zitieren darf. Auf jeden Fall ging es dann mit schweren Herzen auf den Weg Richtung Katima. Die Stadt ist ein guter Ort, seine restlichen NamDollar unter die Leute zu bringen, in Botswana sind diese nämlich nichts wert.
Nach dem sehr guten verspäteten Frühstück in der Touristeninformation ging es dann zum shoppen. Nach dem Besuch im Crafts Market nannte ich dann einen wunderschönen Holzelefanten mein eigen. Vielleicht ein wenig spießig, touri-mäßig. Mir aber egal!!
Der Zeltplatz für die Nacht war sehr schön und als dann abends das Fleisch auf dem Grill lag, die ersten Windhoek Lager geleert waren, fiel mir wieder ein, was ich mir im Ngepi-Camp die ganze Zeit verkniffen hatte (Stichwort: Heimscheißer, und dann halb in der Natur in Ngepi?? Nee, hab das schon bei der Bundeswehr gehasst).
Als ich dann vom Örtchen wieder kam, war der Grill verwaist und unsere Nachbarn, ein südafrikanisches älteres Pärchen kam auf mich zu und meinte: „ Do you see the Hippo?“.
Ahhh, mein Bruder hatte sich schon mit der Kamera bewaffnet und unser Abendbrot sich selbst überlassen. Ne, ne, ne!! Zu seiner Verteidigung muss man sagen, ich habe gleiches getan. So ein kleines Dickerchen so friedlich grasen zu sehen, war unglaublich! Wir hatten zwar schon Flusspferde in den letzten Tagen gesehen, so was war aber trotzdem einmalig. Als der kleine Dicke seinen Hunger gestillt hatte, kamen wir auch wieder zu unserem Abendbrot. Das Fleisch war jetzt zwar etwas zäh und dunkel, uns hat es nach dem Erlebnis trotzdem sau gut geschmeckt!
=> 5 of the Little Five der Namib , 3 of the Big Five, 4 of the Dangerous Six (und den Hippos mehrfach sehr sehr nahe)

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