Tierauge Berge namibsand.de
Impressum
2005

Ungeplantes Highlight - Die Victoriafälle

Heute brauchten wir mal nicht selbst zu fahren - heute sollte uns ein Fahrer des ortsansässigen Reiseunternehmens am Hotel abholen und bis direkt zu den Victoriafällen und zurück chauffieren.
Auch mal ganz nett!!!

Und pünktlich nach dem etwas früheren Frühstück des heutigen Tages stand auch schon der Fahrer mit seinem Toyota Condor vor der Tür des Hotels und die Reise startete somit rechtzeitig. Denn auch wenn der Weg von der puren Fahrstrecke her gar nicht mal so dramatisch lang war, so mussten wir doch immerhin auf der Hin- und Rücktour jeweils zwei Grenzübergänge passieren.
Die Victoriafälle liegen nämlich zwischen Sambia und Simbabwe und wir wollten sie von Simbabwischer Seite aus sehen. Der Weg nach Simbabawe führt von Namibia aber durch Botswana, so dass wir also pro strecke je zweimal die Aus-und Einreiseformalitäten hinter uns bringen und pro Grenze zwei der ach so sinnigen Laufzettel ausfüllen (also für heute insgesamt 8) mussten. Der Tag sollte uns auch immerhin 8 (!!!) neue Stempel in unseren -sonst weitgehend stempelfreien- Europäischen Reisepass einbringen. Und da v.a. die Simbabwischen Behörden nicht unbedingt für Weltoffenheit, Effizienz und Bürgernähe bekannt sind, haben wir lieber etwas mehr Zeit eingeplant. Außerdem führt die Strecke auf botswanischem Hoheitsgebiet direkt durch den Tschobe Nationalpark, in dem wir ganz nebenbei auch noch einige Elefantenherden beobachten konnten.

Am botswanisch-simbabwischen Grenzübergang wurde uns dann auch absolut klar, warum wir sol viel Zeit eingeplant hatten. Hier konnten wie uns in einer Disziplin üben , die wir seit der Wende so nicht mehr trainieren konnten, nämlich dem stundenlangen Schlangestehen und dem bedingungslosen Kuschen vor der Regierungsmacht der Staatsmacht auf der anderen Seite des Tresens. Gegenseite. Spätestens hier waren wir heilfroh, die Tagestour nicht selbst unternommen zu haben, sondern auf einen routinierten und erfahrenen Führer gesetzt zu haben. Bei dem Chaos an diesem Grenzübergang wären wir sonst definitiv verzweifelt. Unser Fahrer kümmerte sich außerdem während unserer Wartezeiten noch um das Begleichen der für simbawische Straßen notwendigen Versicherungsgebühr.

Außerdem bekamen wir hier eine sonst nur noch in Rotenburg ob der Tauber vorkommende Spezies zu gesicht, die einen schon mal über den Sinn des Lebens, des Universums und des ganzen Rests (frei nach Adams) grübeln lässt - japanische Touristengruppen. Nur echt mit Sonnenhut und Kamera!

Als wir dann endlich unsere Tagesvisa erstanden (2005: 20€ pro Person) und unsere Stempelchen in den Ausweis bekommen hatten, verließen wir den Grenzübergang und bekamen selbst auf dem für simbabwische Verhältnisse geradezu luxuriösen Teilstück der Strecke einen erschreckenden Ausblick auf die unglaubliche Armut, in die Robert Mugabe sein Land durch jahrzehntelange weltfremde Misswirtschaft gestürzt hatte. Kein Vergleich zu etwa Namibia oder Südafrika! Und erschreckend für ein Land, das einst als Kornkammer des südlichen Afrikas galt.

An den Victoriafällen angekommen, ist man noch bevor man auch nur das erste Rinnsal gesehen hat, sofort verzaubert von dieser unglaublich schönen Gegend. Denn inmitten staubiger Trockenheit hat die Gischt und der Nebel der stürzenden Wassermassen eine Naturparadies entstehen lassen, das man so hier nie erwarten würde. Aus simbabwischer Seite der Fälle existiert tatsächlich ein kleines Stück tropischen Regenwaldes. Und auch ohne die Fälle selbst gesehen zu haben, hätte dieser Wald den Ausflug schon mehr als gelohnt. So gab es hier unglaublich große Schmetterlinge, die in den verschiedensten Farben leuchteten, bunte Vögel, Eidechsen, mehrere Affenarten und vor allem Blumen aller Arten und Farben.

Wir gingen erst ein Stücke den Weg durch den Park hinauf zum Denkmal des Entdeckers der Fälle Livingstone und näherten uns von dort den Fällen. Schon bevor man diese sieht, hört man gigantische Wassermassen rauschen und spürt die Gegenwart der Fälle durch einen warmen Tropennebel , der einem trotz -verhältnismäßig- geringer Außentemperaturen sofort den Schweiß ausbrechen lässt, so warm und schwül ist dieser.

Als wir dann endlich die Fälle selbst sahen, waren wir von dem Anblick dieser gigantischen, gewaltigen und doch so wunderschönen stürzenden Wassermassen sofort gefangen und müssen wohl einen Augenblick gebraucht haben, unsere vor Staunen geöffneten Münder wieder zuklappen zu können.

Fotos und Filmaufnahmen können - wie bei so vielen Dingen auf dieser Reise - nur einen sehr vagen Eindruck von der wilden Schönheit der Fälle vermitteln. Das Rauschen, die Luft, die Gerüche des Regenwaldes und vor allem das Gefühl, endlich da zu sein, hier an den Victoriafällen zu stehen, können sie nicht zeigen.

So etwas beeindruckend schönes wie diese Fälle habe ich zuvor nicht gesehen.

Mögen die Niagarafälle auch deutlich höher sein - geschenkt! Gegen die breiten Wasser des Sambesi die hier tobend und rauschen in die Tiefe stürzen müssen sie wirken wie ein Gebirgsbächlein.

Wir waren so froh, uns vor Ort umentschieden und die Reise zu den Fällen gewagt zu haben!

Und dennoch - irgendwann mussten wir uns auch hier losreißen und uns wieder gen Ausgang bewegen, um den Heimweg anzutreten.

Das Paket unserer Reise beinhaltete noch ein Mittagessen. Dazu fuhr uns unser Führer in einen neben den Fällen gelegen Touristentempel in ein Steakhouse. Dieser Tempel, der von Prunk und Glitter so überladen war, dass er einfach nur kitschig-beängstigend wirkte, lag inmitten bettelarmer, staubiger und trockener ödnis. Ein schlimmes Beispiel für den Wahnwitz, mit dem Simbabwe regiert und verwaltet wird. Zumal für das Mittagessen ein Preis bezahlt wurde, für den Man in Euro schon eine Gute Villa kaufen könnte.

Eine kleine, aber durchaus beeindruckende Randnotiz: In dem -durchaus gehobenen- Restaurant baten wir darum, eine -ausgetrunkene- simbabwische Bierflasche als Souvenir mitnehmen zu dürfen. Einen Pfennigartikel, der in jedem Land ein mildes, vielleicht befremdetes Lächeln hervorgerufen hätte. Hier war dies jedoch nicht möglich. Das Pfandgeld, über das wir als satte Europäer nicht einmal nachgedacht hatten, schien für den Kellner eine wichtige Größe zu sein. Da wir kein simbabwisches Geld gewechselt hatte, ließen wir ihn mit seiner verteidigten Flasche davonziehen...

Nach dem Essen und nach all den konrastreichen Erlebnissen des heutigen Tages, waren wir doch ganz schön müde und heilfroh, nicht selbst den langen Rückweg meistern zu müssen, sonder nzum Hotel gefahren zu werden.

Und zurück ging es von Simbawe über Botswana durch den Tschobe ins wartende Hotelbett...


voriger Tag nächster Tag