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2005

Felsen und eiserne Steine - von Windhoek nach Tsumeb

Nachdem wir gestern also –fast– ganz auf unser Auto verzichtet hatten, mussten wir den Hobel heute doch wieder für bemühen: Für heute stand die Strecke von Windhoek nach Tsumeb (ca. 430 km) auf dem Plan.

Da dies –für namibische Verhältnisse– aber quasi eine Kurzstrecke darstellt, konnten wir das eine oder andere Zwischenziel auf dieser Strecke ansteuern.

Das wohl lohnendste und bekannteste lag etwa auf halbem Weg kurz vor Otjiwarongo, der Waterberg Plateau Park.
Hier an diesem Ort, an dem unsere deutschen Vorfahren schwere Schuld auf sich geladen und tausende Hereros niedergemetzelt haben, befindet sich heute ein Naturpark mit vielfältigen Wandermöglichkeiten, der sicher einer der schönsten seiner Art im Land ist.

Besonders bekannt ist er –neben seiner dunklen Historie– für die Vielfalt der hier lebenden Arten und vor allem dafür, dass hier besonders viele sehr seltene Arten vorkommen. Es gibt hier -wie beschrieben- viele unterschiedlichste Wandermöglichkeiten, von denen die mei?ten aber mindestens einen ganzen, eher noch mehrere Tage in Anspruch nehmen. Für "Kurzwanderer" wie uns bietet sich vor allem der "Mountainview Hike", der direkt auf die Spitze des Berges führt und mit Rückweg gut in 3 bis 4 Stunden zu bewältigen ist. Allerdings sollte man schon halbwegs fit und frei von körperlichen Gebrechen sein, wenn man sich an den Aufstieg wagt. Ganz ohne ist der Weg nicht und wir mußten das ein oder andere Mal unsere Hände zu Hilfe nehmen, da der weg einfach zu steil wurde und v.a. über loses Geröll und Steine führt.

Auf dem Weg nach oben kamen wir auch noch recht dicht an einer aufgeregt bellenden und schreienden Pavianherde vorbei.

Aber die Aussicht auf dem Berg ist die Mühe allemal wert. Man sieht wirklich weit in das Land hinein und bekommt so einen guten Eindruck von der schier unglaublichen Weite Namibias. Besonders interessant und wohl nur aus der Vogelperspektive wirklich wahrnehmbar: Die Straßen und Wege ziehen sich wirklich wie mit dem Lineal gezogen durch die Landschaft; Kurven gibt es so gut wie nicht.

Auf dem Weg nach unten mussten wir leider feststellen, dass die Pavianhorde sich, während wir die Außicht bestaunt hatten, dichter um den Weg gruppiert hatte und uns aus nächster Nähe anbellte.
Wohl war uns dabei absolut nicht, zumal wir ja wie beschrieben das eine oder andere Mal über recht schwierige Stellen unter Zuhilfenahme der Hände klettern mussten.
Sicher sind mir bisher nur Gerüchte zu Ohren gekommen, die von der Gefahr durch Paviane berichten, und ich habe noch nie von einem wirklich konkreten Fall gehört. Wir hatten aber auch nicht gerade vor, einen solchen Fall abzugeben. Zumal so ein Pavian ganz ordentliche Zähnchen hat, die einem echten Raubtiergebiss nicht so unähnlich sind das Tierchen im Zweifel wohl nicht allzuviel Mühe haben dürfte, einen erwachsenen Menschen über den Jordan zu schicken. Der dicke Stock in meiner Hand konnte maximal als Mutmacher gelten, keinesfalls jedoch als ernsthafte Verteidigungswaffe. Kurzum – wir hatten ganz schön Schiss und waren heilfroh, endlich wieder am Boden angelangt zu sein.

Hier setzten wir unsere Fahrt in Richtung Tsumeb fort.

Ein weiteres Highlight entlang der Strecke, das wir heute unbedingt noch besuchen wollten, war der Hobas-Meteorit. Dieses in der Nähe von Tsumeb vor etwa 80.000 Jahren gelandete Steinchen wiegt immerhin zwischen 80 und 90 Tonnen und ist somit der größte Meteorit auf der Erde.

Was den Weg zu dem Meteoriten anbelangt hatten wir uns allerdings tüchtig verschätzt und kamen so erst kurz vor Toresschluss an der Hobafarm an, auf deren Gelände der Meteor liegt.

Ob einen die pure Tatsache, vor dem größten auf der Erde befindlichen Meteoriten zu stehen, sonderlich abhebt, ist sicher Ansichtssache. Die eigentümliche Schönheit des Steins, der zu über 80% aus Eisen besteht, lohnt den Weg auf jeden Fall.
Obwohl der Meteorit fast vollständig metallisch ist, sieht er von Außen doch erst einmal aus wie ein grauer Fels und erst bei näherem Hinsehen erkennt man den metallischen Schimmer darauf.
Man spürt, daß es sich dabei um nichts handelt, das seinen Ursprung auf der Erde hat und fühlt sich fast in einen Scince Fiction Film versetzt. Unterstützt wird der Eindruck von dem einem Amphitheater nachempfundenen Umbau des Meteoriten. Ein wirkliches Highlight!

Um den Stein begannen sich gegen Toresschluss übrigens schwarzafrikanische jugendliche Pärchen einzustellen. Offensichtlich, um hier die Ruhe und die besondere Wirkung des Ortes für ein kleines Schäferstündchen zu nutzen.

Daher beeilten wir uns, um nicht unnötig lange Störfaktor bei der Durchmischung einheimischen Genmaterials zu sein und die "white tourists" begaben sich hinweg in richtung ihres Hotels... (Minen Hotel Tsumeb; nett, sauber, aber nichts besonderes...)

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